Mistel- Eine alte Seele zwischen den Welten
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Als wir im Dezember 2011 ins Weserbergland zogen, zog die Mistel sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. Mir fiel auf, dass sie hier in der Umgebung unglaublich oft in den Baumkronen zu sehen war. Das kannte ich so vorher nicht. Damals beschäftigte ich mich noch nicht intensiv mit ihr, aber die Frage wurde in mir immer lauter, je mehr ich hier ankam: "Warum wächst sie gerade hier so stark?"
Wenn wir die Mistel sehen, denken wir wahrscheinlich zuerst an den romantischen Brauch, sich unter ihr zu küssen. Oder wir haben die Weihnachtskränze an den Türen vor Augen. Vielleicht werden auch Erinnerungen an die Asterix-Filme wach: Der weise Druide nutzte sie als wichtigste Zutat in seinem berühmten Zaubertrank. Und Hand aufs Herz... wer wünscht sich nicht ab und zu mal einen Schluck Zaubertrank für den Alltag?
Doch wenn wir still werden und ihr wirklich zuhören, erzählt uns die Mistel noch viel mehr.
Vom "Schmarotzer" zur Heilerin
Manche bezeichnen sie als Schmarotzer, der die Bäume schwächt. Doch wenn wir geomantisch hinsehen, erkennen wir, dass sie sich auf Bäumen ansiedelt, die bereits geschwächt sind. Sie wächst oft in Gegenden, die energetisch "belastet" sind oder, so würde ich es heute fomulieren, an Orten, die eine alte und intensive Geschichte tragen. Sie ist dort nicht der Räuber, sondern der Helfer, der Licht bringt, wo der Boden zu dicht geworden ist.
Mond, Saturn und Neptun: Ein kosmisches Trio
Die Mistel ist eine alte Seele in Pflanzenform, die zwischen Himmel und Erde schwebt. Aus astrologischer Sicht, werden ihr drei spannende Energien zugeordnet:
- Der Mond (Das Unbewusste): Er steht für unsere Identität und das Weibliche. Wie die kleinen Lichtpunkte der Sterne, die sich um den Mond versammeln, leuchten die weißen Beeren der Mistel im Wintergrau. Sie erinnern uns an das Licht in der Dunkelheit.
- Saturn (Zeit & Struktur): Ist es nicht faszinierend, dass die Mistel vom kleinen Samen bis zur Sichtbarkeit circa 10 Jahre braucht? Saturn lehrt uns hier die absolute Geduld und das langsame, beständige Reifen.
- Neptun (Die Anderswelt): Neptun ist schwer in Worte zu fassen. Er ist der Nebel, die Erleuchtungsenergie, das was die Schleier lüften kann. Da die Mistel die Erde nicht berührt lebt sie im "Dazwischen", zwischen den Welten.
Magische Alltags-Momente
In meinem kleinen Lädchen hatte ich manchmal Begegnungen, die wirkliche Gänsehautmomente waren. Eines Tages stand eine Heilpraktikerin im Raum, die auf den Spuren ihrer Ahnen wandelte. Sie suchte eigentlich gar nichts Bestimmtes, aber ein Stein erweckte ihre Aufmerksamkeit. Ein Cavansit, den ich erst einen Tag zuvor in die hinterste Ecke des Regals geräumt hatte. Wir kamen ins Gespräch, landeten beim Thema Mistel und wofür sie sie anwendete. Es war eine dieser Begegnungen, wo die Zeit kurz stillzustehen scheint. Das sind für mich die magischen Momente im Alltag, wenn Menschen, Steine und Pflanzen sich ungeplant zur richtigen Zeit finden.
Ein Date mit der Mistel
Wenn ich die Mistel räuchere, muss der Moment stimmen. Ihr Duft ist etwas süßlich und krautig, ganz anders als der klare Salbei. Sie lässt uns Abstand vom Alltag nehmen. Es ist wie eine Auszeit, ein "zwischen den Zeiten" Moment, wo Ideen plötzlich auftauchen können, einfach so aus dem Nichts, wie die kleinen leuchtenden Beeren im Mondlicht.
In einer Mischung genügt oft schon ein Hauch von ihr. Sie verträgt sich wunderbar mit Salbei, Birke, Eisenkraut oder dem tiefen Copal Negro. Für mich ist sie keine Pflanze für jeden Tag. Sie hat ihre eigenen Regeln. Aber wenn sie dich ruft, dann ist genau der richtige Moment für ein gemeinsames Date.
Bis bald,
Christin